Ein Fest für Florian Hilleberg. Gleich zu Beginn des Romans gibt es eine Reise in Carlottas Kindheit im Labor von Dr. Elax, wo sie als gerade mal achtjähriges Mädchen grausames ertragen muss. Er kann in der Vergangenheit etablierter Figuren herumschreibseln. Und dazu noch viel schlimmes Sozialdrama mit Teenagern oder Kindern im Fokus unterbringen. Direkt danach folgt Gesellschaftskritik des Autors, der seine Meinung in Johns Mund legt.
[COLOR=bbcf83]Mit einem humanistischen oder ganzheitlichen Menschenbild hatte das meiner Meinung nach wenig zu tun.[/COLOR]
Im ehemaligen Labor von Elax befindet sich nämlich HAPPY SPIRIT. Ein Coaching Center für ausgebrannte Manager. Dort haben sich die Bösewichte aus dem ersten Teil versteckt. Ich habe kurz recherchiert, das wurde in all den Jahrzehnten von Dark nie etabliert. Eine neue Sache von Hilleberg.
[COLOR=bbcf83]Wie konnte dort so ein Sanatorium eröffnen, ohne dass wir es mitbekommen?[/COLOR] Tja. Und die Leiterin ist die Tochter von Ephraim Wilson. Der Name sagt euch nichts? Dabei gehört er doch den VISIONÄREN an. Immer noch nichts? Ja habt ihr denn nicht den 1569 von 2008 gelesen? Da hatte sie Dark jedenfalls mal erwähnt. Hilleberg baute sie dann auf seine Art aus und angeblich hat John mit ihnen „seit Beginn meiner Karriere als Geisterjäger zu tun“. Schon Dr. Satanos war einer von ihnen. So die Hilleberg-Version.
Auf diese Enthüllung folgt ein weiterer Rückblick auf Carlottas Vergangenheit, wo das achtjährige Vogelmädchen Randy Scott kennen lernt. Ja, DEN Randy Scott. Aus der 1811 von 2013. Carlotta wird weiter „erzogen“, sprich gefoltert und gedemütigt. Körperlich wie psychisch.
Ein Zwischenfazit nach dem ersten Viertel. Spaß macht das nicht. Hilleberg baut hier auf seine typische Art eine weitere Dark-Figur schonungslos aus. Was an sich ja gut ist. Macht Kollege Marques genau so. Aber er nimmt sich die Vorlagen und Andeutungen des Altmeisters her, die er logisch weiter verfolgt. Mit sehr viel „Rücksicht“ auf das Lebenswerk von Dark. Das fehlt mir bei Hilleberg schon immer. Und es muss alles total dramatisch beschrieben sein. Bei mir weckt das keine Gefühle.
Ich werde nicht weiter auf die schlimmen Kindheitstage von Carlotta eingehen. Genau so wenig auf die eingestreuten weisen Worte wie
[COLOR=bbcf83]Offenbar hatte er einen Minderwertigkeitskomplex, den er dadurch zu kompensieren versuchte, dass er andere herumkommandierte. Es war immer wieder erschreckend, was eine Uniform aus Menschen machte.[/COLOR] Eine kürzere Rezi sollte meine Nerven schonen.
Natürlich ist in dem Sanatorium dann alles wieder engmaschig mit älteren Fällen und Personen verbunden. Erst sieht es so aus, als sei hier alles in Ordnung. Die Leiterin reagiert nicht auf Johns Kreuz. Doch dann wird er von der Gegenseite in eine Falle gelockt und Maxine niedergeschlagen. Wie immer nutzt man nicht die Gelegenheit, die Helden einfach auszuschalten. Sie müssen leiden oder sollen noch mit der bitteren Wahrheit konfrontiert werden oder so.
Die Leiterin er Einrichtung ist zwar ein Mensch, trägt aber einen Teil des bösen Gottes Marbhà s in sich. Und deshalb soll das Kreuz nicht reagiert haben? Das warnt John doch nicht nur bei Monstern, sondern auch bei beeinflussten Menschen oder welchen mit einem Keim des Bösen in sich. Ok. Sie hat das Kreuz nicht direkt angefasst. Körperkontakt hätte vielleicht sogar die Essenz aus ihrem Körper vertreiben. Da fragt man sich aber schon, warum es John überhaupt ausgereicht hat, dass Paula das Kreuz nur anschaut und er seinen üblichen Test nicht durchführt, indem er es ihr in die Hand legt. Es hätte wohl den konstruierten Plot kaputt gemacht. So entstehen diese Logiklöcher. Auch mit der weiterentwickelten Idee von Marbhà s kann ich mich nicht anfreunden. Ein einfacher Götze reicht nicht mehr. Jetzt gibt es ihn nur dadurch, dass Leute an ihn glauben. Und jeder seiner Jünger trägt ihn in sich. Bevor Paula sich um John kümmern kann, wird sie von einem Telefonat abgelenkt und muss weg. Genau jetzt ist nämlich Davina McCarthy im passenden Heftromantiming angekommen und will Paula sprechen.
Maxine befindet sich für die Coverumsetzung in einem mittelalterlichen Verlies unter der hochmodernen Einrichtung. Sie wurde Gnom Vigo versprochen, der sie schon antatschen durfte und sich auch weiter in ekelhafter Weise sexuell an ihr ergötzt. Jetzt will er Maxine auch noch vergewaltigen. Was müssen die Figuren bei Hilleberg alles durchleiden...
Carlotta ist ebenfalls im Sanatorium. Nur durch Zufall bekommt sie mit, wie John von der Essenz Marbhà s angegriffen wird. Gleichzeitig hört sie Maxines Hilfeschrei. Wem soll sie nun helfen? Wieder Drama. Dann entscheidet sie sich aber für ihre Ziehmutter.
[COLOR=bbcf83]Immer wieder schlug Carlotta die Fäuste gegen die steinernen Wände, in dem verzweifelten Versuch, die Scham abzuschütteln. Sie hatte John Sinclair im Stich gelassen.[/COLOR] Na ja, dafür kann sie Maxine vor der Vergewaltigung retten. Wieder im Heftromantiming, der Gnom hat schon Maxines Kleid hochgeschoben und will eindringen. Carlotta sieht in ihrer Wut das Gesicht von Doktor Elax in dem Gnom. Der tiefenpsychologische Trigger führt zu einem Blackout bei ihr und weil Vigo schon so passend vor der nett platzierten Eisernen Jungfrau steht, kann sie in in ihrer blinden Rage auch gleich aufspießen.
[COLOR=bbcf83]Es erstarrte, blickte auf das, was es angerichtet hatte, und begann zu würgen. Tränen rannen ihr über die Wangen. Carlotta hatte einen Menschen getötet.[/COLOR] Ups.
[COLOR=bbcf83]„Was habe ich getan?“, hauchte sie und hob den tränenumflorten Blick. „Mama, was habe ich getan?“[/COLOR] Das hat dem Roman echt gefehlt. Noch mehr Drama.
Unterdessen konnte Davina die Sanatoriumsleiterin in ihre Gewalt bringen. Sie zeigt der Polizistin den Spiegel und Marbhà s darin. Der Götze will sich Davina krallen, doch die hat einen Geistesblitz und weiß plötzlich, dass Paula Johns Besitztümer bei sich haben muss. Also schnappt sie sich seine Waffen. Darunter den Bumerang, mit dem sie die Spiegelfäche zerstört.
[COLOR=bbcf83]Und mit ihr zersprang Marbhà s, der Unersättliche. Dr. Paula Leonid warf den Kopf in den Nacken, als ihr Götze mit letzter Kraft zudrückte.[/COLOR] Zwei Fliegen mit einer Klappe. Und es kommt besser.
Marbhà s wollte sich im Wellnessbecken persönlich um John kümmern.
[COLOR=bbcf83]Ich presste die Lippen aufeinander, in Erwartung des tödlichen Bisses, der mich jeden Augenblick ereilen musste.[/COLOR] Wieder ist es perfektes Heftromantiming, in dem Davina den Götze vernichtet. Oder eher dessen Spiegel, wodurch auch Marbhà s stirbt. Obwohl doch in jedem seiner Jünger noch ein Teil von ihm sein müsste, die Vernichtung des Spiegels also irrelevant ist. Äh, egal. Marbhà s stirbt jedenfalls in der Sekunde, als er John töten will. Dafür plumst der Geisterjäger ins Becken und droht zu ertrinken. Wenn ihn nicht ein großer Heftromanzufall in letzter Sekunde rettet, denke ich.
[COLOR=bbcf83]Doch ich hatte keine Kraft mehr. Aus und vorbei.[/COLOR] Natürlich taucht Carlotta jetzt auf und holt ihn aus dem Becken. Der Götze tot, seiner höchste Anhängern tot. Und die anderen?
[COLOR=bbcf83]Die zu Menschen verwandelten Skelette waren spurlos verschwunden. Der Wachmann hatte beobachtet, wie sie in zwei Kleinbussen davongefahren waren, als wäre der Leibhaftige hinter ihnen her.[/COLOR] Was für eine lustige Szene zum Ende. Leider nicht mein Humor und ich bin auch nicht in der Stimmung.
[COLOR=bbcf83]“Ja, aber ist Marbhà s nun vernichtet, oder nicht?“ „Du willst, dass ich Ja sage, aber das kann ich nicht.“[/COLOR] Ich denke, der kommt wieder. Wäre nach Hillebergs Erklärungen nur logisch.
Da haben wir jetzt also Carlottas schlimme Erlebnisse im Labor als Kind. Und den Götzen mit seinen Dienern in der Gegenwart. Zwei voneinander unabhängige Fälle, möchte man bis jetzt meinen. Auf den letzten beiden Seiten zieht Hilleberg dann aber nochmal fix eine Verbindung. Bei ihm muss schließlich alles miteinander verkettet sein. Damals wurde nämlich eine wichtige Bezugsperson des Vogelmädchens in eben jener Eisernen Jungfrau aufgespießt, durch die Carlotta nun Vigor tötete. Nur eine Kleingkeit, und deswegen hätte man das eigentlich auch rauslassen können.
Das ist jetzt doch mehr Text geworden, als ich mir vorgenommen habe. Naja. Carlottas Kindheit näher zu beleuchten ist an sich eine nette Idee. Und in der Gegenwart eine persönliche Reise dorthin zurück, wo sie damals gefangen gehalten wurde. Wenn Hilleberg nur nicht wie immer so extrem überdramatisieren würde und sein eigenes Ding durchziehen. Vor allem bei den Visionären und wer alles damit zu tun hat. Für mich fühlt sich das nicht an wie ein Teil der großen Gruselserie mit Rellergerd als Kopf und den Co-Autoren als altersbedingte Unterstützung, die sein Lebenswerk mit dem nötigen Respekt fortschreiben. Hilleberg zieht sein Ding durch und irgendwie hält ihn niemand auf. Wohl auch, weil es genügend Anhänger von dieser Praxis gibt. Ich weiß dank ihm immerhin, wie sich die Dämonenkiller-Puristen fühlen müssen.
Carlotta und die Helden müssen auch in der Gegenwart so einige psychische Martyrien durchstehen. Ich möchte lieber die Geisterjäger auf spannender Dämonenjagd erleben und nicht mitverfolgen, wie sie vom Autor gebrochen werden. Der Heftromanzufall in letzter Sekunde hilft wenigstens, wenn es brenzlig wird.
Von mir leider eine SCHLECHTe Wertung. Wäre das Hillebergs eigene Serie, würde mich vieles definitiv nicht stören. So bleibt die Einmischung in Darks Werk (wie gesagt, wie es richtig geht zeigt Kollege Marques) und dass dieses viele persönliche Drama für mich nicht zum Stil von John Sinclair passt.

:baff: :baff: :baff: :baff: :baff: :baff: (4 von 10 Kreuzen).
Original von Tulimyrsky
Ich habe leider verpasst, wann & wo Davina wieder in den Polizeidienst aufgenommen wurde und mit den entsprechenden Rechten ausgestattet... In welchem Roman war das?
Puh, gute Frage. Die Suspendierung geschah in der 2182. Da wurde sie noch nicht wieder eingestellt. Dazwischen liegen 5 Romane von Hilleberg, in denen sich an der Situation nichts geändert hat. Aber ich dachte, ich hätte da irgendwas mal gelesen. Kann auch Karina gewesen sein, die nach Hillebergs Rasputin-Dilogie (Ich habe neue Worte gelernt

) ebenfalls erstmal in den Innendienst versetzt wurde.
Mal schauen, ich finde die Antwort schon.