Interessant: In der Umfrage hier ist ja von "Top" bis "Sehr schlecht" alles dabei. So unterschiedlich können Meinungen sein...
Eine neue Autorin betritt die Bühne und sorgt für einen netten Monster Of The Week - Roman als Einstieg!
John wird als Handwerker getarnt auf ein neu gebautes Kreuzfahrtschiff eingeschleust. Während der Fertigstellung der Inneneinrichtungen und einer Testfahrt passieren mysteriöse Todesfälle. Irgendwann wird klar, das kann nur ein Klabautermann sein! Später stellt sich noch heraus, dass dieser aus dem verfluchten Holz von Bäumen stammt, an denen sich Selbstmörder aufgehängt haben. Das klingt cool...
Der Klabautermann hilft den Fleißigen und bestraft die Faulen. Und so nimmt das Ganze natürlich seine Ausmaße, denn wer macht nicht gerne mal ein längeres Päuschen

Meistens ertrinken die dann auf übelste Weise. John kann der Magie jedoch nicht richtig bei kommen, weil er für seine Tarnung sein Kreuz ablegen musste, dass auch noch später geklaut wurde - verdammt! Später kommt es zum großen Showdown und John muss das Böse mit Hilfe einiger Angestellter überlisten.
Marie Erikson schreibt sehr atmosphärisch und detailliert. Durch die extrem dichten Beschreibungen kann ich mir alles super gut vorstellen und war bildlich im Geschehen drin. Soweit denn etwas passierte, denn die extrem detaillierten Erzählungen nahmen den 64 Seiten ihren flotten Romanheft-Style und fühlten sich eher an wie aus einem dicken Buch. Auch wenn ich es einerseits toll fand, mit was für einem Wissen die Autorin über Schreinerarbeiten, Schiffsbau und dem Setting eines Passagierschiffs verfügt - die detailverliebten Einzelheiten sind in ihrer Gänze eigentlich belanglos und nehmen der Geschichte irgendwie ihren Schwung.
Es wirkt auch, als wenn John eher damit beschäftigt ist, sich in seiner Undercover-Rolle zurecht zu finden.
Zudem fehlt mir insgesamt der Gruselfaktor in dieser Geschichte.
Ich musste bei Klabautermann und Kobold unfreiwillig an Pumuckl denken und hatte das Gefühl eher eine Verniedlichung von Grusel zu lesen - diese Wesen kamen, meine ich, auch schon mal vor Ewigkeiten bei Sinclair vor... bin mir nicht sicher... oder war das bei Zamorra? Auf jeden Fall wollte insgesamt keine richtige Gruselstimmung bei mir aufkommen. Das liegt vermutlich aber an meiner Sicht dieser Wesen, die wohl eher in Kinderbüchern auftauchen?
Und trotzdem hat die Autorin es geschafft das alles glaubhaft und nicht lächerlich rüber zu bringen!
Das Verschwinden von Thomas Matto ging mir viel zu fix und war nicht ganz so realistisch dargestellt - gerade hier hätte man vielleicht mehr Gruselstimmung herauskitzeln können.
Die anderen Szenen, in denen der Klabautermann zuschlägt, sind aber spannend gemacht. Gerade Wasser, das Ertrinken, Einfrieren, ist doch eine düstere Vorstellung, die einem leicht unter die Haut gehen kann.
Als John beim Kronleuchter mit festhält und Julia fast ertrunken war, ist irgendwie gefühlt zu wenig Zeit verstrichen, als dass der Boss da direkt Schicht macht. So hat John ja gerade mal 5 min "gearbeitet". Glück gehabt
Ich finde, Johns "Eigenschaften" werden ziemlich intensiv beschrieben - jedenfalls im Vergleich zu anderen Romanen. Hier hat er keine Kraft den Kronleuchter zu halten, obwohl eine Praktikantin es schafft. Er ist auch nach dem Stützen von der nassen Julia total fertig und muss seine Haltung straffen + Bauch einziehen als er sich neben die Artistin setzte. Für mich persönlich hat John schon immer eine athletische Statur und ein bisschen einen (englischen) Stock im Arsch. Außerdem hat er doch schon Kraft & Power. Hier wird er ein wenig "kümmerlich" dargestellt - jedenfalls wirkt das so auf mich. Vielleicht ist er auch einfach mal nicht in Form
Ich hatte es oben schon erwähnt: Detaillierte Beschreibungen der Arbeiten - besonders der Schreiner, aber auch die Sanitäter, das wirkt so, als wenn die Autorin das selbst schon mal mitgemacht, oder der eben gut recherchiert hat. Auch das Schiffssetting ist in der Hinsicht ziemlich gelungen. Das mochte ich und sollte andersrum auch noch einmal positiv hervorgehoben werden.
Felix, der Sanitäter, hätte am Ende gut in das "Hilfe-Programm"
Stiftung zur Unterstützung der Opfer übernatürlicher Phänomene und schwarzmagischer Angriffe von Sheila gepasst
Ich mag nicht so gerne deutsche Geschichten. Also Geschichten, die in Deutschland spielen, oder in denen quasi nur deutsche Personen mitspielen. Ich brauch für meinen Feierabend etwas "Exotischeres", wie z.B. England oder so

Deshalb hat das mit den deutschen Figuren & Namen auch nicht so bei mir gezündet.
Nach all den relativ kleinen Mankos - fast alles ist ja auch Geschmackssache - kommt jetzt aber der Hammer:
Die ganze Schreibe ist einfach perfekt!
Die gebildeten Sätze, die Wortwahl, alles voll mit Synonymen, nahezu fehlerfreier Wahnsinn! Und es liest sich auch noch flüssig. Ich komme mit dem Stil super klar, das macht Spaß zu lesen. Wenn jetzt noch der Gruselfaktor angehoben wird und die Autorin einen für mich unheimlichen Gegner (Skelette…) in einem nächsten MOTW packt, dann wird es mega cool!
Ein Roman sagt noch nichts aus über einen Autor/eine Autorin, das hatten wir schon etliche Male. Und somit sollte man da mal eine weitere Chance geben - ich würde mich freuen. Vielleicht auch sonst in einem Gespenster-Krimi...?
Von mir gibt es ein GUT.
Der Titel war gut gewählt. Kurz und knackig.
Auch das Cover war ok.