Jetzt wo Castor Pollux eine dritte Staffel bekommt und längst eine ernstzunehmende Serie im Heftromansektor ist, möchte ich dem nochmal eine Chance geben. Es schreibt immerhin mit Rafael Marques inzwischen einer meine Lieblingsautoren mit.
Ich erwarte auch gar nicht mehr als spaßigen Sandalentrash, der halbwegs gut recherchiert ist und sich der üblichen Klischees nicht zu stark bedient. Aber allein die Ausgangslage macht es mir schwer. Ein Gladiator gegen die Finsternis. Das wäre als würde man einen Gefängnisinsassen zum Geisterjäger machen.
Aber diese Angelegenheit ist schnell geklärt. Er ist der Sohn eines früheren Kämpfers gegen das Böse und soll für den Kaiser persönlich die Arbeit seines Vaters fortführen. Denn nachdem die Finsteren verbannt wurden, scheinen sie jetzt ihr Rückkehr vorzubereiten. Da greift Michael Schauer direkt ziemlich tief in die Klischeekiste. Castor ist also ein antiker Harry Potter.
In seinem ersten Abenteuer bekommt Castor es mit dem Obervampir Rodan zu tun, der die Aristokratie unterwandern will. Rein zufällig ist die Tochter von Castors neuem Mentor mit der Geliebten des Vampirs befreundet. Außerdem hat der Serienheld es sich am Anfang des Hefts mit einem anderen Gladiator verscherzt, der sich jetzt rächen will.
Rodans Plan ist ziemlich gut und er stellt sich nicht dumm an. Seine Kanonenfuttervampire dafür umso mehr. An relevanten Plotpunkten agieren sie wider seinen ausdrücklichen Anweisungen und erregen damit die nötige Aufmerksamkeit, damit Castor seinem Ziel näher kommt. Den gewissen Heftromanzufall hat er bei seinen „Ermittlungen“ natürlich auch.
So verliere ich im letzten Drittel etwas das Interesse an der Geschichte, wirklich packend ist das nicht, wie Castor am Plotverlauf entlang geheftromanzufallt wird. Aber es ist auch nicht so schlimm, dass ich komplett abbrechen möchte. Zeit für eine kleine Erholungspause.
Castor gelingt es natürlich in letzter Minute, die Tochter seines Mentors zu retten. Vielleicht bahnt sich da die obligatorische Liebesbeziehung an und Florentina muss in einem späteren Heft für eine extra Portion Dramatik sterben. Jetzt gilt es, den Obervampir zu erledigen. Und den Kaiser zu retten, denn der ist Rodans nächstes Ziel. Da überschätzt er sich aber gewaltig. Es ist klar, dass eine Figur wie Kaiser Nero nicht sterben wird, aber das Finale ist trotzdem recht spannend geschrieben und hat mich positiv überrascht.
Wie vermutet. Castor Pollux ist die volle Packung Sandalentrash. Wie die kultigen Herkules und Xena Serien früher, auch wenn die nicht in Rom spielten. Mh, man könnte die Reihe mit der splatterigen Spartacus-Serie vergleichen, aber bevor Castor Pollux da ran kommt, muss er sich noch etwas steigern. Zum Schreibstil..naja, ich war schon kein Fan der beiden JS des Autors. Heftroman-Mittelmaß. Wobei ihm Actionszenen wie das Finale schon liegen.
Wenn man die Reihe als Trash (oder Pulp, der Begriff ist nicht so negativ behaftet) mit Klischees und Heftromaneigenarten siehst, ist sie auch ganz gut. Und das Setting ist mal etwas Anderes. Obwohl ich bekanntlich echt kein Freund von pulpigen Geschichten bin, war der Einstieg in die Reihe für mich echt zufriedenstellend. Und da ich die Hefte eh als Trash lesen wollte und nicht mit „ernsteren“ Heften vergleichen, reicht es für GUTe

(7 von 10 Totenköpfe). Für mehr bei aller Liebe aber echt nicht. Kann ja noch werden. Ich vermute spätestens in den Taschenheften einen Qualitätssprung.
Eigentlich wollte ich im Urlaub durch die GKs powern, aber jetzt habe ich für das Heft doch zwei Tage gebraucht. Mal sehen, ob mein Plan trotzdem aufgeht.