Handlung: Auf seinem entbehrungsreichen Marsch durch die Sahara, in unpassender Hauskleidung, erreicht Zamorra das Land der Dschinn. Er glaubt auch bereits Tin Yarsen, die legendäre Goldene Stadt, in greifbarer Nähe am Horizont zu sehen. Es war allerdings nur ein Trugbild seiner überreizten Nerven. Schon bald wird Zamorra von unsichtbaren Dschinn belagert, die ihn am liebsten verspeisen würden. Es gelingt ihm sie, mit Hilfe seines Amuletts, erfolgreich zu vertreiben. Aus dem Nichts taucht danach Asmodis auf. Er bringt Zamorra, in einem prall gefüllten Rucksack, endlich passende Kleidung und Proviant. Nachdem er den Professor noch ein Stück vorangebracht hat, löst sich Asmodis wieder auf und Zamorra sieht endlich sein ersehntes Ziel vor sich. Zumindest bis er bemerkt, dass er erneut von einer Fata Morgana genarrt wurde. Kurz bevor Zamorra sein Ziel dann doch endlich erreicht, muss sein Amulett noch eine Zerreißprobe bestehen. Zusätzlich zur latenten Bedrohung durch Dschinn und Wüstendämonen muss es noch umfangreiche Botschaften der himmlischen Mächte an den seit Äonen gefangenen Engel verarbeiten. Kann Zamorra diesen Engel endlich befreien?
Meinung: Auch zum zweiten Teil des Romans von Michael Mühlehner, gab es ein eindrucksvolles und sehr gutes Titelbild von Mario Heyer, der es wie gewohnt mit KI – Software schuf. Die Legende von Tin Yarsen ähnelte derjenigen vom sagenumwobenen El Dorado. Die menschliche Gier nach Gold war dann auch ein klassisches Motiv in diesem Zweiteiler. Der Besitz des Goldes brachte stets Tod und Verderben. Das galt auch für dieses Dämonengold. Es lockte zwar, brachte dem Besitzer aber kein Glück, sondern nur Entartung und Verderben.
Leider sollten sich meine Skepsis und Vorbehalte, begründet durch meine bisherigen Erfahrungen mit diesem Autor, bereits am Beginn des zweiten Teils, doch wieder bestätigen. Zunächst wurde das Lesen anstrengender und holpriger weil Michael seine Romane immer wieder mit nicht allgemein gebräuchlichen Wörtern und Fremdwörtern überschwemmte. ZU denen im allgemeinen Sprachgebrauch nicht gebräuchlichen Wörtern gehörte zum Beispiel das Wort „vast“. Die Fremdwörter wurden immer schlimmer. Ein negativer Höhepunkt war „phantasmagorische Bilder“. Wie abgehoben war dieser Autor eigentlich? Soll man jetzt beim Lesen noch ständig Fremdwörterlexika zum Nachschlagen neben sich liegen haben oder kann er auch in normalen Worten schreiben?
Auch wurde aus der entarteten Sonne nun plötzlich eine transformierte Sonne. Genau genommen war das sogar richtig. Merlin schuf das alte Amulett aus einer entarteten Sonne. Nach dessen Vernichtung verwendete der Erzengel Michael eine transformierte Sonne für die Neuanfertigung. Blieb nur die Frage warum der Autor Michael im ersten Teil überhaupt noch den alten Begriff verwendete. Das von Merlin einst geschaffene Amulett war auch zu diesem Zeitpunkt bereits vernichtet gewesen.
Einen erzählerischen Tiefpunkt lieferten die Seiten 7 bis 10. Dieses war der Moment, indem ich mich über den Autor wieder ganz besonders ärgerte. Nicole und Barnabas kamen, ohne weitere Erklärung, erneut in Timbuktu an. Diese Ankunft wurde aber bereits am Ende des ersten Teils geschildert. Nun folgte teilweise die genaue Wiederholung, allerdings teilweise auch mit einem leicht verändertem Ablauf. Dieses Mal wurde Nicole, aufgrund ihrer zu offenherzigen Kleidung, von aufgebrachten Männern gejagt. Nicole und Barnabas sahen dieses Mal wie die entführte Damona King mit Wagen der Fremdenlegion fortgebracht wurde. Nicole brauchte auch in dieser Version kein Auto zu stehlen um diese Fahrzeuge zu verfolgen. Sie heftete einem Fahrzeug, mit dem Dhyarra eine magische Markierung an. Plötzlich erschien ein Zeppelin der Tendyke Industries, den Nicole und Barnabas für die Verfolgung, nach Rücksprache mit Monica Peters, nutzten.
Was war der Grund für diesen Fauxpas? Wusste Michael tatsächlich nicht mehr, was er am Ende des ersten Teils schrieb? Warum hatte kein Lektor diesen Fehler vor der Veröffentlichung korrigiert? Oder war alles beabsichtigt, weil es ein magischer Effekt des Reisenden Hauses war, dass Nicole und Barnabas ihre Ankunft in Timbuktu erneut erleben mussten? In diesem Fall hätte aber alles irgendwie besser erklärt werden müssen. Auch in Bezug auf die, noch im ersten Teil von mir gelobten, Ortsangaben wurde Michael nachlässiger. Spätestens nach dem ersten Drittel dieses Romans verschwanden sie ganz. Mit einer Ausnahme auf der Seite 30. Vielleicht war es ja dem Umstand geschuldet, dass sich nun alle Handlungen in Tin Yarsen trafen. Ermüdend wirkte beim Lesen auch der sehr hohe Anteil an Erzähltext im Roman. Der Anteil für Dialoge fiel deutlich geringer aus.
Weil Dämonen Tin Yarsen weder finden noch betreten konnten, beauftragte Andraxgor das Söldner-Team um Laban Sebek, damit diese ihm das ersehnte Herz des Engels brachten, dass er Strygia schenken wollte. Um Stygia zu schützen, war es dann wohl Belial gewesen, der im Gegenzug Zamorra und sein Team ins Spiel brachte, damit diese den Plan von Andraxgor vereitelten.
Mit Verspätung ging Michael nun doch noch darauf ein, dass das aktuelle Amulett von Michael neu geschaffen wurde. Diese Erwähnung hätte aber bereits im Kapitel über das Amulett, im ersten Teil des Romans, stehen müssen. Wie sagte man noch so schön? Besser spät als nie. Als Einzelroman kann man ja auch mal einen Roman von Michael Mühlehner lesen. Als Zweiteiler kam ich irgendwann an den Punkt, wo ich mir die Frage stellte weiterlesen oder abbrechen und weglegen. Ich hatte mich zwar für die erste Variante entschieden. Sie bedeutete aber leider wenig Vergnügen und harte Arbeit bis zum erlösenden Wort „Ende“. Fazit: Michael Mühlehner konnte mich auch dieses Mal nicht überzeugen. Er war halt scheinbar wirklich kein Autor nach meinem Geschmack. Daher würde ich es persönlich begrüßen, wenn von ihm zumindest keine weiteren Mehrteiler mehr erscheinen würden, oder sein Schreibstil müsste unkomplizierter werden.
Weil wenigstens das letzte Drittel des Romans noch recht spannend war, entschied ich mich, in der Gesamtbewertung, noch für eine ganz knappe und wohlwollende Note 4 = Ausreichend. Dieses entsprach der Vergabe von 2 von 5 Amuletten an Michael Mühlehner. Nach der im Forum üblichen Wertung stimmte ich mit
Mittel ab.
