Handlung: Weil es keine aktuelle Bedrohung gibt, können sich Zamorra und Nicole mit weltlichen Dingen beschäftigen. Sie besprechen mit Bill Fleming, wie er sich die Wiedereingliederung in sein zweites Leben vorstellt. Mit Henry müssen sie erörtern, warum sie ihn noch nicht für bereit halten an Außeneinsätzen teilzunehmen. Plötzlich erhalten die Dämonenjäger gleichzeitig vier Meldungen, die einen Einsatz erforderlich machen. Eine Mordserie auf einem Kreuzfahrtschiff in der Antarktis. Seltsame Morde, nach Art der Spinnen, im Outback in Australien. Nachzehrer im Ort Victoria Falls in Simbabwe und freche Gartenzwerge die, etwa fünfzig Kilometer von Saint-Cyriac entfernt, nach Zamorra suchen. Henry soll sich, unterstützt von Butler Thomas, um die Gartenzwerge kümmern. Für die anderen Fälle erscheint Gryf, der sich als Druiden-Taxi anbietet. Er bringt Bill nach Simbabwe, Nicole ins Outback und Zamorra auf das Kreuzfahrtschiff in der Antarktis. Wird es allen gelingen ihre jeweilige Aufgabe zu erfüllen?
Meinung: Nach dem Ende des Michael-Zyklus beschäftigte sich Thilo Schwichtenberg in diesem Roman mit der Frage, wer an Stygias Stelle der neue Herr der Hölle werden würde. Dumm nur, dass aufgrund einer logistischen Panne, bereits in Band 1347 verraten wurde, dass es Astaroth wurde. Das nahm diesem Roman zumindest in einem Handlungsteil schon einmal die Spannung weg. Das passende Titelbild zum Roman, mit Astaroth in seiner menschlichen Gestalt auf dem Höllenthron, schuf wieder Mario Heyer, mit KI – Software. Ein alternatives Cover von Mario Heyer, dass mir eigentlich noch besser gefiel, wurde auf der Leser-Seite gezeigt.
Ich konnte mir anfangs nicht helfen, aber irgendwie fehlte diesem Roman zunächst ein festes Gerüst. Es wirkte erst einmal so, als ob fünf separate Kurzgeschichten abwechselnd erzählt wurden. Der gemeinsame Nenner musste erst noch gesucht werden. Die fünf Handlungen stellten sich erst einmal so dar: Im Château besprachen Zamorra und Nicole mit Bill Fleming, wie dieser sein neues Leben plante. Gleichzeitig drängte Henry darauf an Außeneinsätzen teilzunehmen zu dürfen. In der Hölle wurde Stygia immer noch vermisst. Besonders Zarkahr drängte darauf einen Nachfolger zu wählen, womit er nur sich selber meinte. Auf einem Expeditionskreuzfahrtschiff in der Antarktis nährte sich eine geheimnisvolle junge Frau an den Gehirnflüssigkeiten von allein reisenden Touristen, die ihr zum Opfer fielen. Weil die Antarktis Berith zugeteilt war, ging ich davon aus, dass sie die verschleierte Begleiterin der jungen Frau war. In Simbabwe tauchten Nachzehrer auf, die ihre noch lebenden Verwandten anlockten und töteten. Zu guter Letzt gab es in Australien seltsame Experimente, die mit Spinnen zu tun hatten. Dabei tauchte auch die gefährlichste Spinne der Welt auf. Eine diesbezügliche Frage hatte ich noch kürzlich in einem Rätsel falsch beantwortet. Also hatte ich diesen Roman zu spät gelesen.
Australien und Spinnen das passte gut zusammen, weil es ja der Bereich von Melmoth III. war, der stets unfreiwillig dumm wirkte. Persönlich gefiel mir zunächst der Handlungsteil in der Hölle am besten. Aber zur Romanmitte hin verbesserte sich einiges, weil Thilo die Handlungsteile außerhalb der Hölle stimmig zusammen führte. Sogar das seltsame Kapitel mit den Gartenzwergen, aus einem vorherigen Roman erhielt nun doch noch einen Sinn.
Rätselhaft blieb noch die Identität dessen, der aus Legion heraus, auf der bösen Seite, wieder eine neue Existenz erhielt. Er zeigte sich als alter Mann mit blauer Haut beim Karneval in Venedig. Es war ihm möglich die Kiefer auszuhaken um Menschen komplett verschlingen zu können. Er wurde als Ur-alt bezeichnet und feierte nun seine dritte Existenz. Ich dachte mal, dass eine Existenz mit den Spiegelwelten zu tun haben könnte. Demnach könnte es sich, nach den Hinweisen zu urteilen, bei dem bislang namentlich nicht genannten Dämon um Baal handeln. Dieser Dämon sollte auf jeden Fall künftig Europa verwalten. Für diesen Kontinent war bislang Stygia zuständig gewesen.
Wie im richten Leben lockte ein Erbe stets Interessenten an. Ein weiterer Interessent war Asmodis gewesen, der auch seine Ansprüche auf das Erbe Luzifers anmeldete. Er wird beim künftigen Höllen-Dallas also auch noch kräftig mitmischen. An Spannung und neuen Intrigen dürfte es demnach nicht mangeln. Eine gelungene Anspielung auf einen bestimmten amerikanischen Präsidenten gelang Thilo auch noch, bei der Wahl des menschlichen Körpers indem Zarkahr auftrat. Gleiches gesellte sich gern zu Gleichem, oder auch Brüder im beschränkten Geiste.
Bei der finalen Beurteilung musste ich dieses Mal meine unterschiedlichen Eindrücke aus zwei Romanhälften berücksichtigen. Die erste Romanhälfte beurteilte ich als ausreichend, die zweite aber als gut. Insgesamt ergab das die Note 3 = Befriedigend für den ganzen Roman und damit vergab ich dieses Mal 3 von 5 Amulette an Thilo. Nach der im Forum üblichen Wertung stimmte ich mit
Gut ab.
