Inhalt
durch eine besondere Konstellation - Sonnenlicht trifft auf den Hexenstein und wird in den Spiegel von Damonas Mutter Vanessa reflektiert - kann dieser Zauberspiegel aktiviert werden, und er zeigt dann die Zukunft - aber nur so lange, bis die Sonne weiterwandert und damit der Einfallswinkel nicht mehr stimmt. so sieht unser Hexlein eines Morgens im Zauberspiegel eine eigenartige Szene - ihr Lebensgefährte Mike Hunter kämpft in einer Felsenhöhle mit einem Drachen!
Mike Hunter kehrt früher als geplant nach King Castle zurück, er hat ein unbestimmtes ungutes Gefühl. er findet seine Damona verstört vor, weiß sie doch, dass sich diese Szene früher oder später tatsächlich zutragen wird. doch will sie ihrem Mike nicht beichten, was sie gesehen hat. um auf andere Gedanken zu kommen, hüpfen die beiden erstmal in die Kiste...
tatsächlich existiert dieser Drache, seine Betreuerin Antina, einer Hexe von schattenhafter Gestalt, die sich in einem Zwischenstadium befindet, nicht mehr Mensch, noch nicht Dämon. sie bereitet den nächsten Hexensabbath vor, bei dem sie Asmodis zur vollwertigen Dämonin machen soll. in ihrer Hexenloge hat sie aus den anderen 12 jungen Hexen schon ihre Nachfolgerin erwählt, Sahry, für die Zeit nach ihrer Erhebung. Opfergabe soll die "entartete Hexe" Damona sein, Antina will deren Seele ihrem Haustierchen zum Fraß vorwerfen. so startet der Hexenklub seinen schwarzmagischen Angriff und entführt Damona. dann ruft Antina Asmodis an, doch der zeigt sich sehr unleidlich, Antina solle Damona nicht gefangen halten in einer magischen Falle, sondern sie lieber gleich töten, zu gefährlich wäre sie. tatsächlich gelingt es Damona fast, sich zu befreien, aber eben nur fast - sie stürzt von einer magischen Falle in die nächste. sie schafft es, ihren Geist durch das Hexenhaus espern zu lassen, wobei ihr alles riesenhaft erscheint. erst dadurch erkennt sie die furchtbare Wahrheit: sie wurde beim Transfer auf Handspannenlänge verkleinert!
währenddessen durchsuchen Mike Hunter und der brave Butler Henry das ganze Schloss nach der verschwundenen Damona, selbst der biedere Dorfinspektor Callaghan wird hinzugezogen, doch er muss wieder unverrichteter Dinge abziehen. verzweifelt versucht Mike mit dem Zauberspiegel mit letztlich unbrauchbaren Beschwörungsformeln zu kommunizieren. das spürt auch Asmodis, kurzerhand übernimmt er den Körper von Antina, greift durch den Spiegel, schnappt sich den überraschten Mike, und zieht ihn in den Fuchsbau der Hexe. dort setzt Mike Karate gegen Asmodis ein, und kann tatsächlich davon- und aus dem Haus laufen, doch kommt er vom Regen in die Traufe - drei junge Hexen kommen auf ihren Besen geritten, fange ihn, und stürzen durch den Kamin wieder zurück ins Haus. er wird eingesperrt, um Mitternacht soll er beim Sabbath dem Teufel geopfert werden. er schafft es, sich aus seinem Gefängnis zu befreien, nur um in eine Zeitfalle zu tappen, in der er endgültig stecken bleibt.
von dort holen ihn Antina und Sahry, "deren rotes Haar wie Feuer loderte", wieder heraus, er versucht es diesmal mit Kung Fu doch Antina kann ihn bannen. Asmodis erscheint und auch der Drache, der Seelenfresser, begleitet von zwei vorsintflutlich wirkenden, dämonisch beeinflussten Schwertkriegern.
da tritt plötzlich wieder Domans Mutter Vanessa auf den Plan, ihr Geist flößt Mike magische Kraft ein, er kann sich aus der Stasis befreien und entgeht in letzter Sekunde Sahrys Opferdolch. er kann die verblüffte Antina auf Asmodis schleudern, und nimmt Sahry als Geisel und fordert, man möge ihn zu Damona bringen. tatsächlich trägt einer der Schwertkämpfer die geschrumpfte Damona bei sich, durch ihren Anblick wird Mike so geschockt, dass sich Sahry befreien kann. auf Befehl Antinas greifen die Schwertmänner Mike an, er kann sie überwältigen und vernichten. dann zwingt er Sahry, Damona wieder zurückzuverwandeln, die weiße Hexe wiederum verwandelt Mike Schwert in ein Zauberschwert, mit dem er auch den Drachen erledigen kann. mit dem aufgefangenem Drachenblut besprengt er den Altar, der zerplatzt, und die Hexen, die sich in normale Frauen verwandeln. Asmodis tötet Antina, bevor auch er mit Drachenblut vertrieben wird. Damona teleportiert mühelos mit Mike zurück nach King Castle.
mein Senf
inhaltlich
...hat Werner Kurt Giesa hier wieder ein krasses Ideenfeuerwerk abgebrannt, und grundsätzlich gibt's darob nix zu meckern. der Drache ist real, und ein Seelenfresser; Conan-artige Krieger begleiten den Drachen; die Hexen können fliegen, und im Fuchsbau der Oberhexe durch Wände aus Stein gehen. soll alles sein.
zwischendurch erklärt er nochmal geschickt, wer Damona und Mike überhaupt sind, und diverse andere Hintergründe der Serie - Hexenkraft und Hexenstein Damonas, King Konzern und King Castle, etc.
Giesa lässt Damona und Mike vögeln, zeigt sie dabei aber züchtiger als das ewig notgeile Paar im Schloß an der Loire:
Damona: "irgendwann waren sie in ihr Zimmer getaumelt, für ein paar Stunden hatte sie das Bild im Spiegel vergessen können und war schließlich erschöpft eingeschlafen"
Mike: "ihr gemeinsamer Ersatz für den verschobenen Morgenspaziergang war eine durchaus akzeptable Alternative gewesen"
er erklärt uns auch, warum die auf Reiserbesen reitende Hexen nackt sind - wegen der Hexensalbe, mittels derer sie überhaupt erst fliegen können. ansonsten tragen sie enge, schwarze Kombinationen, oder schockrote Hosen. schockrot, ein hell leuchtender, intensiver Rotton also. sehr schön.
aber:
- Antina soll durch Asmodis zur Dämonin werden, das geschieht aber dann irgendwie von ganz alleine, wie, bleibt uns verborgen.
- Asmodis tritt Mike als Echsenwesen gegenüber und schafft es nicht, Mike festzuhalten, weder physisch, noch magisch. ganz fetter HÄH? Moment, das soll der mächtige Höllenfürst sein? dann schubst Mike die Hexe auf den Teufel, und der "geht röhrend zu Boden" - ohne jede Gegenwehr? dann lässt er sich von Drachenblut aus der Bahn werfen? schon in Band 18 "Die Hölle schickt den Rachegeist" schaffte es ein Menschlein, den geistigen Einfluss des Teufels einfach abzustreifen. nicht nur mir kann das nicht gefallen.
- Damona darf als Hexe kein Zauberschwert führen; wieder so eine aus dem Hut gezauberte Regel, damit die Geschichte (und das Schwert) nicht stecken bleibt.
- auch sehr praktisch, dass wieder mal Vanessa als deus ex machina auftritt. wie originell.
stilistisch
...wie gewohnt, lässt Giesa ein paar flapsige Sager vom Stapel:
- Mike wird von Antina durch den Spiegel entführt, und er murmelt "es gibt schlechtes Wetter, die Hexen fliegen heute so tief"
- Mike kauft eine marode Tomatenketchup-Firma in Spanien, und "selbst der clevere Generalmanager Romano Tozzi konnte nur noch mit den Ohren schlackern, wenn Mike in laufende Verhandlungen einstieg"
sowohl Damona als auch Asmodis schnauben in der veralteten Vergangenheitsform - sie schnoben also. dieses Sprachbild ging allerdings in die Hose: "Asmodis würde ihr sein gnädiges Auge leihen"; da war wohl das Ohr gemeint...
der Zeit geschuldet verwendet der Autor mittendrin mal englische Bezeichnungen - Car statt Auto, Castle statt Schloss. das war damals wahrscheinlich cool. Rufzeichen setzt er fast schon inflationär, selbst Sperrschrift setzt er ein. das wirkt alles ein wenig übertrieben.
Damona zeigt sich Mike gegenüber unausgeglichen - sie lächelt, sie schnappt nach Luft, sie schreit, sie murmelt, sie lacht - und das alles in nur einer halben Spalte. gleich darauf wird sie angegriffen.
sehr schön beschreibt der Autor dafür, wie die schattenhafte Hexe den Höllenfürsten beschwört:
"Antina tritt ins Zentrum der sieben Kerzen; was hier leuchtete und das Kerzenlicht widerspiegelte, war nur ein Schatten, der aus einer anderen Dimension fiel. Antina begann ihre Beschwörungsformeln zu sprechen. Mehrfach verneigte sie sich in die sieben Himmelsrichtungen des Alten Volkes und versicherte sich der Unterstützung niederer Dämonen. Jene zwang sie im Namen Asmodis', ihr zu Willen zu sein. Ihn selbst rief jetzt die gebündelte und von Antina gesteuerte Macht der Niederen, deren Ruf er sich auf die Dauer nicht entziehen konnte. Sie rief Asmodis. Und Asmodis - erschien..."
die Geschichte hat mir nur mittelprächtig gefallen, also 3 von 6 Punkten.
keine Ahnung, was der übergroße Totenkopf auf dem Tibi sein soll, etwa die Drachenhöhle? der blonde Conan-Verschnitt schreitet mit wallendem Lendenschurz und gezogenem Schwert auf diesen Totenkopf zu... jaja, Fantasy halt, ein Bezug zur Geschichte wär halt nicht schlecht. der Künstler Ömer Muz hat auch Cover für Zamorra, Grusel- und Gespenster-Krimi, Dan Shocker und John Sinclair beigesteuert:
https://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?573468