Gespenster-Krimi 2.0 Nr. 186: Der Unhold von Rosethorne Hall

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Gespenster-Krimi 2.0 Nr. 186: Der Unhold von Rosethorne Hall

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Gespenster-Krimi 2.0 Nr. 186: Der Unhold von Rosethorne Hall

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Der Unhold von Rosethorne Hall

Rosethorne Hall - ein Ort, den selbst die Tiere meiden und über den die Bauern von St. Ethelreds Green nur flüstern. Als der alte Landstreicher Scrounging Willie während einer stürmischen Nacht in dem alten verlassenen Herrenhaus Schutz vor dem Regen sucht, trifft er die schlechteste und auch die letzte Entscheidung seines Lebens. Denn Rosethorne Hall ist verflucht! Doch dort spukt kein gewöhnliches Gespenst. Dort haust der Unhold von Rosethorne Hall - ein uraltes geflügeltes Monster mit drei Köpfen und brennendem Blick, erschaffen aus Hass, Tod und dunkler Magie. Und es ist hungrig!

Geschrieben von Camilla Brandner

Erscheinungsdatum: 22.11.2025
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Das Gleichgewicht Offline
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Re: Gespenster-Krimi 2.0 Nr. 186: Der Unhold von Rosethorne Hall

Beitrag von Das Gleichgewicht »

Spoiler
1920. Der etwas dusselige Landstreicher Willie sucht während eines Unwetters im verfluchten Herrenhaus von Rosethorne Hall Unterschlupf. Ist doch eh alles dummer Aberglaube. Aber noch bevor er das Haus betreten hat verwandelt sich eine rote Katze in ein dreiköpfiges Monster mit Drachenatem und tötet ihn. Er ist also schonmal nicht der Protagonist des Heftes.

Nach diesem Einstieg folgen erstmal seitenlang Informationen zum altmodischen Dorf, dem Dorfleben, den wichtigsten Bewohnern und so. Danach schwenkt die Handlung zu einem Friedhofswächter, der mit seinen „Mietern“ sprechen kann. Da erfahren wir auch einige unwichtige Geschichten der Toten und Gespräche mit ihnen. Sollte es hier nicht um Rosethorne Hall gehen? Der Schreibstil von Camilla Brandner ist so schon ziemlich soft, da ist es sehr ermüdend, wenn auch handlungstechnisch nichts passiert.

In London erfährt der Hilfsbibliothekar und ehemalige Diakon Seth Jarvays zufällig von der Legende um Rosethorne Hall. Und den Kirchenschatz, der dort versteckt ist. Wenn er den birgt, könnte das seiner Karriere neuen Schwung geben. Auch in diesem Kapitel schweift die Autorin ordentlich ab. Neben vielen historischen Erklärungen oder den ausführlich beschriebenen Gedankengängen von Seth Jarvays , scheint es hier auch ein Kräftemessen zwischen Himmel und Hölle zu geben. Der Protagonist träumt vom unheimlichen Hauskaplan des verfluchten Anwesens, der ihm Versprechungen macht. Dann wieder fällt ihm eine alte Korrespondenz zu Rosethorne Hall sprichwörtlich vor die Füße, die vor den teuflischen Machenschaften dort warnt. Auf wen wird Seth hören? Wird er dem Kaplan verfallen oder ihm widerstehen? Leider ist das extrem öde und trocken geschrieben. Und es zieht sich halt so. Wann geht es endlich zurück zum titelgebenden Rosethorne Hall?

Stattdessen gibt es weitere Berichte und Überlegungen. Statt das verfluchte Haus wie in einem „richtigen“ Gruselheft vor Ort zu erkunden und dabei Nervenkitzel zu bekommen, erhält der Leser alle wichtigen Infos aus sicherer Entfernung über alte Schriftstücke und Briefverkehr. Wenn der Heftheld die Pergamente wenigstens vor Ort im verfallenen Anwesen studieren würde und nicht in der Londoner Bibliothek.

Naja, Seth hat immer noch diesen inneren Kampf. Während die dunkle Seite durch den teuflischen Hauskaplan vertreten ist, erscheint ihm als Engelchen die heilige Äbtissin St. Audrey und macht ihm Mut.

Erst auf den letzten 10 Seiten fahren Seth und sein Vorgesetzter Dr. Porteous nach Rosethorne Hall. Von der Monster-Katze keine Spur. Lange hält man sich im Haus auch nicht auf. Seth wird von übersinnlichen Kräften zur Reliquie geführt. Er hat sich inzwischen als Klischeeheld für die gute Seite entschieden und bringt die Reliquie zum nahen Friedhof, damit sie ihre heilige Aura für etwas Gutes verströmen kann. Oder „wo Segen dringend gebraucht würde“, wie es im Heft steht. Der alte Friedhofswächter vom Heftbeginn ist hocherfreut, denn die Toten haben ihm gesagt, dass sie die Reliquie dringend brauchen. Die bösen Geister wollen das verhindern. Oder besser gesagt, der hier begrabene Leichnam des Kaplans, der aus seinem Grab steigt. Aber da wirkt die Reliquie schon und er verkohlt, bevor er den Figuren auch nur irgendwie gefährlich werden könnte. Was habe ich auch anderes erwartet?

Damit ist der Fall eigentlich erledigt und es wäre ein passendes Gruselroman ENDE gewesen. Aber es folgen noch einige Seiten Epilog, in denen Seth das Geschehene Revue passieren lässt, sich über den Frieden durch die Reliquie freut..und natürlich darf ein Brief nicht fehlen. Offenbar wurde der Katzendämon Off Screen erledigt, wie ein Dorfbewohner schreibt. Er verging kurz nach dem Ende seines Meisters, als ein überirdisches Unwetter Rosethorne Hall erfasste. Wäre schön, wenn Seth das wenigstens selbst erlebt hätte, statt zurück in London nur davon zu lesen. Aber so bleibt der Roman sich wenigstens treu.


Hatte ich vor Jahren schonmal einen GK von Camilla Brandner gelesen? Ich kann mich nicht erinnern. Wenn ich mal etwas misogyn sein darf: Diese lahmen Frauengrusler lesen sich alle gleich. Camilla Brandner hat schon einen sehr seichten, schlichten und unspannenden Schreibstil. Wenn dann die Handlung auch noch so ist wie hier, fühlt man sich einfach nur veralbert. Bei Hefttitel und dem Teasertext habe ich erwartet, dass der Roman im gruseligen Rosethorne Hall spielt und es neben anderen schaurigen Elementen ein Monster dort gibt. Die paar Seiten Einleitung erwecken auch diesen Eindruck. Dann wird der Landstreicher aber fix getötet und es geht für einen Großteil des Romans zum eigentlichen Protagonisten in eine Londoner Bibliothek, wo nichts wirklich Spannendes passiert. Statt an der Front zu sein, bekommt der Leser die Geschichte des Anwesens über Berichte, Briefverkehr und alte Schriften vermittelt. Erst zum Finale geht es für 10 Seiten zurück nach Rosethorne Hall, aber der böse Kaplan wird von einer heiligen Reliquie vernichtet, bevor er irgendwas tun kann und sein Monster erwischt es erst, als der Held wieder im sicheren London ist. Passend für diese Geschichte erfährt er aus einem Brief davon, statt „live“.

Es ist eine Sache, wenn eine Autorin (oder ein Autor mit weiblichem Pseudonym) seichten Frauengrusel schreibt. Das ist eine Nische des Genres und das kann ich so akzeptieren. Aber dann muss es trotzdem Gruselelemente geben. Wenn man einen Roman so wie hier gestalten will, muss man wirklich eine überaus gute Schreibe haben, um den Leser bei der Stange zu halten. Camilla Brandner hat für mich aber eine unterdurchschnittliche und dann endet sowas in einer einzigen Enttäuschung. So mein persönliches Empfinden und daher SCHLECHTE :D :D :D :| :| :| :| :| :| :| (3,5 von 10 Totenköpfen). Ja gut, es geht sicher auch noch schlimmer, das Heft war kein Totalausfall und hatte seine wenigen Schauermomente.

Trotzdem werde ich der Autorin noch eine (oder ein paar) Chancen geben. Camilla Brandner ist ja eine Hauptautorin des neuen GK. Wenn die Helden im nächsten Abenteuer die meiste Zeit vor Ort ermitteln und direkt in die Vorgänge eingebunden sind, wäre schon viel gewonnen.
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