Handlung: Weil Bill Conolly, der im Auftrag von John mehr über die Lebensgeschichte von Gabriel Hannigan heraus finden sollte, nun Unterstützung benötigt, trifft sich John mit seinem ältesten Freund in Schottland. Bei seinen Recherchen war Bill auf das seit fünfunddreißig Jahren geschlossene Waisenhaus Angels Home gestoßen. Dieses Waisenhaus liegt in den schottischen Lowlands, nahe des Ortes Bridge of Weir. Gabriel hatte dort zwei Jahre seiner Kindheit verbracht. Als John und Bill nun das Waisenhaus gemeinsam erreichen, zeigt sich die Zufahrt verwildert und zugewachsen und das Haus ist verfallen. Fünf Stunden zuvor hatte Bill noch an gleicher Stelle eine gepflegte Zufahrt und ein ebensolches Haus gesehen. Im Haus begegnete Bill der aggressive Geist des ehemaligen Hausmeisters, den Bill mit Silberkugeln stoppen konnte. Nun treffen John und Bill im Waisenhaus tatsächlich auf den Astralkörper von Gabriel Hannigan, der John darum bittet ihm, durch sein Kreuz, den Weg ins Jenseits zu weisen. Zuvor zeigt er aber John noch seine Kindheitserfahrung im Waisenhaus, wo er durch einen seltsamen Engel erstmalig in Kontakt mit Lazarus kam und warum er sich später an diese Ereignisse nicht mehr erinnern konnte. Nach dem Ende der Vision löst sich Hannigans Astralkörper auf. In dem falschen Engel, der das Ritual an Gabriel durchführte, erkannte John einen Exorzisten Aibons. Zusammen mit Bill untersucht John nun die Reste des Kellers. Als er dort sein Kreuz aktiviert, erscheinen die Geister der verlorenen Kinder und zerren John in eine andere Dimension. John ist überrascht, als er feststellt das er sich nun in der Festung von Lazarus befindet, wo bereits weitere Gefahren und schreckliche Erkenntnisse auf ihn warten.
Meinung: Dieser Roman war die indirekte Fortsetzung des vorherigen Romans und damit ein weteres Kapitel im Lazarus-Zyklus von Rafael Marques. Das Titelbild wurde erneut von Thomas Greiwe mit seiner KI – Software erstellt. Das darauf dargestellte fliegende Skelett mit schwarzer Kutte, erinnerte ein wenig an den Schwarzen Tod. Zeitlich lag Johns Rückkehr aus Malta etwa eine Woche zurück. Keine Einigkeit gab es aber beim Titel dieses Romans. Vergessen oder versunken, auf Lazarus traf beides zu. Nicht beabsichtigt waren aber wohl die daraus entstandenen unterschiedlichen Titel. Auf der Titelseite hieß der Titel: „Wächter der vergessenen Stadt“ und auf der Seite 1 wurde daraus: „Wächter der versunkenen Stadt.“ Scheinbar eine mangelnde Absprache zwischen Autor und Verlag, ein Schreibfehler von Rafael oder gab es noch eine andere Ursache für diese kleine Panne?
Nach Johns ungewolltem Verschwinden nach Lazarus, erzählte Rafael die weitere Handlung auf zwei Ebenen weiter. Zu meiner Freunde begegnete John in der Festung wieder dem skurrilen Sammler Zigana, der ihm erneut das Leben rettete und scheinbar vom Roten Ryan geschickt wurde. Irgendwie hatte diese Figur das gewisse Etwas. In der realen Welt ermittelte Bill mit der Hilfe des alten Dorfpolizisten weiter. Dabei interessierte ihn besonders, was aus den Betreibern des Waisenhauses wurde. Zu seiner Überraschung lebten sogar beide Blooms noch. Der Sohn Seamus, der damals Hausmeister war und seine neunundneunzig jährige Mutter Ellen, die das Waisenhaus leitete. Im Haus der Blooms gerieten Bill und der ihn begleitende Constabler Fraser in eine tödliche Falle. Aus den Fakten beider Erzählebenen ließ sich erahnen, das den verschwundenen Kindern aus dem Waisenhaus schreckliches zustieß. Die Geschichte des Waisenhauses war sehr böse. Rafael sorgte aber für ein zufriedenstellendes und gerechtes Ende. Das Verhältnis zwischen Seamus Bloom und seiner Mutter erinnerte ein wenig an Norman Bates und dessen Mutter in „Psycho“.
Trotz mehrmaligen Lesens ergab ein Satz von Rafael auf der Seite 40 zumindest nicht den gewünschten Sinn. Dort stand: „Auf einem Nachttisch stand sogar noch ein Telefon mit Wählscheibe, hinzu kam eine der alten Fernsehkisten, bei dem sich Bill fragte ob man damit im digitalen Zeitalter überhaupt noch telefonieren konnte.“ Durch den eingefügten Fernseher wirkte es ungewollt so, als ob Bill mit dem Fernseher telefonieren wollte. Dieser Teil des Satzes wäre besser erst einmal weggelassen worden.
Einige im Zyklus aufgekommene Fragen wurden zwar beantwortet, mindestens genauso viele blieben aber weiterhin offen. Der letzte von Aibons Exorzisten existierte also, entgegen der Hoffnung von John, immer noch. John hatte nun auch ein Medaillon, aus dem Besitz der Blooms, erhalten, dass als Schlüssel nach Lazarus diente. Es gab also mehrere Exemplare davon. Zigana überlebte und auch über ihn gab es zahlreiche Fragen, die besonders seine Vorgeschichte betrafen. Diese war zumindest dem Exorzisten bekannt gewesen. Letzt endlich gab es noch irgendwo eine Frau namens Emma, die im Waisenhaus die gleichen Fähigkeiten erhielt wie Gabriel. Würden alle diese Fragen tatsächlich noch vor Band 2500 beantwortet und die Handlung abgeschlossen werden, oder würde dieser Zyklus doch noch über Band 2500 hinaus weiter gehen? Diese Möglichkeit deutete Ian Rolf Hill auf der Leser-Seite zumindest an. Also hieß es abwarten und weiter lesen.
Insgesamt war auch dieser Roman von Rafael unterhaltsam und solide geschrieben worden. Ich entschied mich aber dieses Mal dafür, diesen Roman mit der Note 3 = Befriedigend zu bewerten und dazu passend 3 von 5 Kreuzen an Rafael zu vergeben. Nach der im Forum üblichen Wertung stimmte ich mit
Gut ab.
