Manche Leute bauen ihr Haus auf einem Indianerfriedhof, andere bauen einen Spielplatz auf einer Richtstätte. Laut Teaser zumindest, in der Geschichte wird nie erwähnt, wer genau unter der mächtigen Linde begraben ist. Es sind die Geister von schwangeren Frauen bzw. Frauen, deren Kinder eine Totgeburt waren. Wer richtet bitte nur Schwangere hin und warum eigentlich?
Diana Dark, nicht mit dem Sinclair-Großmeister verwandt, übersetzt eigentlich Liebesromane und hat sich jetzt an einer Gruselgeschichte versucht. Die Mischung aus den bekannten Elementen Störung der Totenruhe durch Bauvorhaben und aggressive Vögel ist gelungen, wenn auch nichts neues.
Auch wenn die Hauptgeschichte um den kleinen Dustin ein rundes Ende hat, bleiben einige Fragen offen. Die erwähnte Sache mit dem Friedhof für schwangere. Warum die Raben Knochen und blutige Stoffetzen in den Schnäbeln haben und von was sie besessen sind. Stehen sie auf der guten oder der dunklen Seite? Da ist der Geist von Dustins verstorbener Mutter, die sich aber während der Schwangerschaft verändert hat. So gut kann der Geist nicht sein, wenn er in Dustin Hass zur neuen Freundin seines Vaters aufbaut. Sieben Jahre hat er getrauert, wenn er sich jetzt frisch verliebt hat, möchte man ihm das zugestehen. Ich vermute ja, dass sich irgendein Dämon nur als Dustins Mutter ausgegeben hat. Der Kleine kapselt sich immer mehr ab und freundet sich durch Einflüsterungen des Geistes mit den Raben an. Am Ende verwandelt sich sich offenbar selbst in eines der Tiere, nachdem er bei sich daheim eine Blutspur hinterlassen hat. Der Kreis von tragischen Schwangerschaften schließt sich auf makabere Weise.
Dabei hätte es gar nicht zu all dem kommen müssen. Der alte Hinrichsen weiß Bescheid, faselt klischeehaft aber nur irgendwas mysteriöses vom Bösen und Unheil. Warum sind die Wissenden in Horrorgeschichten nie deutlich, ist ja klar, dass niemand auf ihn hört. Ein rationales „Leute, schaut ins Stadtarchiv, da wurden im Mittelalter Leute hingerichtet und begraben. Das ist Störung der Totenruhe. Den Spielplatz kann man sicher auch woanders bauen, wenn das an die Presse kommt, ist das keine gute Werbung für unser Dorf“ wäre wohl zu viel verlangt gewesen.
Dafür, dass ihr Metier eher historische Liebesgeschichten sind, hat Frau Dark eine ordentliche Geschichte abgeliefert, die ein wenig zu viel Interpretationsstoff und offene Fragen bietet. Und die nun wirklich nichts neues ist. Außerdem muss man sich den Vergleich mit Hitchcock gefallen lassen und den verliert man meistens.
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Aktuelle Lesefavoriten:
1. Isaac Kane
2. Gespenster-Krimi Neuauflage
3. Die Vagabunden
4. Dämonenkiller